GEIGE.BLOG

Barockklang – über den Bau und den Rückbau von Barockinstrumenten (So, 08 Jan 2017)
 
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Was Sie schon immer über die Barockgeige wissen wollten: (Mi, 21 Dez 2016)
(von Rudolf Isler, Geigenbaumeister) Zuerst möchte ich ein paar hartnäckige Missverständnisse ausräumen: 1. die Barockgeige wird immer wieder als "Kurzhalsgeige" bezeichnet. Das ist darum falsch, weil es nach meiner Erfahrung etwa gleich viele originale Hälse in der modernen Länge gibt. Richtig ist: es gab kein verbindliches Mass in der Zeit vor 1800! 2. ebenso falsch ist es, zu behaupten, die barocken Hälse seien alle flach aufgesetzt (ohne Winkel zur Korpusachse) und sie seien dick und unbequem. 3. ganz falsch ist auch die häufig gehörte Meinung, Barockgriffbretter, Saitenhalter und Stege seien flacher (in Querrichtung) als moderne. Das ist spieltechnisch ein Unsinn. 4. ganz falsch ist es auch, ein hoch gewölbtes Instrument als Barockgeige zu bezeichnen, nur weil es sogenannte "barocke Formen" hat. Auf den ersten Blick ist die Barockgeige gar nicht so leicht zu unterscheiden von der modernen. Ich will der Reihe nach auf die baulichen Merkmale der Barockgeigen eingehen: der Hals - ist stumpf auf die Zargen aufgesetzt (statt eingesetzt in den Oberklotz). Er ist geleimt und zusätzlich genagelt. (3 Nägel in Italien, 1 Nagel in Deutschland). der Halswinkel - ist vor 1800 nicht definiert. Flacher aufgesetzte Hälse und auch steilere kommen vor. Es ist nicht möglich, aus den unverändert gebliebenen Originalen einfache Rezepte nach dem Motto "man nehme" abzuleiten. der Bassbalken: - er ist mehrheitlich feiner und kürzer, was den Nachhall und die Ansprache begünstigt. In Innsbruck war in diesem Jahr eine Stainer-Geige ausgestellt (eine der beiden original erhaltenen Geigen!) und dokumentiert: der originale Balken ist 5 mm hoch, 4 mm dick und hat eine Länge von ca. 23 cm . das Griffbrett: es hat (bei Geigen) die Länge von ca. 2 Oktaven. Das sind nur etwa 24.5 cm gegenüber 27 cm bei der modernen Geige. Oft sehen wir bei alten Instrumenten die Originallänge anhand des ausgebleichten Lackbildes auf der Decke. Je nach Halswinkel ist das Griffbrett mehr oder weniger keilförmig gearbeitet, um den Saiten zu ermöglichen, die Höhe des Steges zu erreichen. Es ist sehr wichtig, dass der Kern aus Fichte besteht. Fichte leitet den Schall in Längsrichtung mit über 6000 m/sek. und ist ja schliesslich das Klangholz par excellence. Ebenholz ist langsamer und leitet den Schall mit weniger als 5000 m/sek. Ein furniertes Griffbrett mit Fichtenkern klingt also einfach besser und liefert einen wesentlichen Beitrag zum sog. "Originalklang". Um den Fichtenkern herum wird Hartholz geleimt, seitlich z.B. Birnbaum, Ahorn, Schlangenholz, Ebenholz - und oben drauf ein Ebenholzfurnier von ca. 1,6mm. Das Griffbrett kann auch mit Intarsien verziert werden, hier liegt ein weites Feld von Kunsthandwerk! Saitenhalter: - furniert mit Ebenholz oder aus Hartholz. Feinstimmer gibts nicht - die Darmsaiten lassen sich gut mit den Wirbeln stimmen. Steg: - eine Vielfalt von Modellen existiert. Alle funktionieren und klingen etwas anders. Lassen Sie sich verschiedene Modelle zeigen und profitieren Sie von unserer Erfahrung! Saiten: - unsere Werkstatt hat sich ausschliesslich auf die Saiten von Damian Dlugolecki spezialisiert, auf denen man mehrere Wochen ohne Probleme spielen kann. Sie halten auch die Stimmung gut, ausser bei sich schnell ändernder Luftfeuchtigkeit. Falls feuchte Hände die Saiten dauernd auffasern lassen, wählen Sie die lackierte Version. Zusammenfassung: All die genannten baulichen Besonderheiten und die Saiten sind verantwortlich für den "Barockklang". Dieser ist nicht nur obertöniger, transparenter, farbenreicher, er fasziniert durchaus auch ohne Vibrato ! Als Spieler geht es mir mit dem reichen Nachhall so, als würde mir eine gute Fee zu jedem Ton den ich anstreiche noch eine kleine klangliche Zugabe gratis mitliefern. Oder technischer ausgedrückt: das System spricht sehr leicht an und der Klang lässt sich mit minimaler Energie weiterspinnen. Bei all dem Loblied auf den Barockklang darf natürlich der Bogen nicht vergessen werden: der Barock- oder Klassikbogen hat einen ganz entscheidenden Anteil am Zustandekommen dieses typischen Klanges. Dezember 2003 Rudolf Isler
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Micha Sennhauser – Feinstimmiger Geigenbaumeister – Chreisgleis TV (So, 18 Sep 2016)
Micha Sennhauser – Feinstimmiger Geigenbaumeister from chreisgleis.tv on Vimeo.
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Geigenbaumeister Andreas Irniger erklärt die Geige – Videoserie (Di, 13 Sep 2016)
vor einiger Zeit haben wir in unserer Werkstatt in Zürich besuch vom Schweizer Fernsehen erhalten. Dabei ging es um einen Artikel mit Kurzvideos auf der Website von SRF. Der Titel des Artikels ist ein wenig irreführend ist. Dessen Inhalt und die Kurzvideos sind aufschlussreich und interessant. Weiter unten die liste aller Videos: Geigen erzählen Geschichten Die Wölbung Zargen biegen Faszination Geigenbau  
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Geigen erzählen Geschichten – Geigenbaumeister Andreas Irniger erklärt die Geige (Di, 13 Sep 2016)
Geigen erzählen Geschichten…
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Die Wölbung – Geigenbaumeister Andreas Irniger erklärt die Geige (Mo, 12 Sep 2016)
Die Wölbung ist eine eigene Welt für sich…
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Zargen biegen – Geigenbaumeister Andreas Irniger erklärt die Geige (So, 11 Sep 2016)
Andreas Irniger biegt Zargen in die Form.
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Faszination Geigenbau – Geigenbaumeister Andreas Irniger erklärt die Geige (Sa, 10 Sep 2016)
Andreas Irniger, was fasziniert Sie am Geigenbau?
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Der Frühling (Do, 21 Apr 2016)
Der Frühling, gesungen von Elisabeth Schwarzkopf Frühling (1899) In dämmrigen Grüften träumte ich lang von deinen Bäumen und blauen Lüften, Von deinem Duft und Vogelsang. Nun liegst du erschlossen In Gleiß und Zier von Licht übergossen wie ein Wunder vor mir. Du kennst mich wieder, du lockst mich zart, es zittert durch all meine Glieder deine selige Gegenwart! Hermann Hesse (1877-1962)
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Wie Brienz fast zum Musikwinkel der Schweiz wurde… (Mo, 10 Aug 2015)
Es sind düstere Jahre, kurz nach dem zweiten Weltkrieg an der Schwelle zum Kalten Krieg. Der Eiserne Vorhang ist schon fast gezogen. Die Planwirtschaft fällt über den noch stolzen Musikwinkel Deutschlands um Markneukirchen an der Tschechischen Grenze und bedroht die vogtländischen Handwerker der Musikinstrumentenbau-Industrie. Teils finden Geigenbauer, Gitarrenbauer und Bogenbauer eine Zuflucht in Westdeutschland. Einige erträumen sich aber eine Zukunft in der vom Krieg verschonten Schweiz... [caption id="attachment_371" align="aligncenter" width="600"]In den Anfängen wollte die Geigenbauschule diverse Instrumente herstellen. In den Anfängen wollte die Geigenbauschule diverse Instrumente herstellen.[/caption] Zu dieser Zeit war die vormals private Geigenbauschule in Brienz gerade verstaatlicht worden. Diese erste und einzige Fachschule für Geigenbau der Schweiz wurde im sogenannten "Landigeist" vom Verein "Freunde der Schweizer Geige"  im Jahre 1944 gegründet, unter anderen mit Adolf König, Geigenbauer und mit Professor Heinrich Hanselmann, Pädagoge, Geigensammler und Geigenliebhaber. Dies auch mit Hilfe von Regierungsrat Gafner, der Arbeitsplätze ins östliche Berner-Oberland bringen wollte, wie Hans Rudolf Hösli an der Eröffnung der Ausstellung über die Geschichte der Geigenbauschule Brienz erzählt. [caption id="attachment_373" align="aligncenter" width="600"]Eröffnungsrede von Hansruedi Hösli Eröffnungsrede von Hansruedi Hösli[/caption]   An diesem schönen Fleck der Welt wäre eine Musikinstrumentenbau-Industrie eigentlich Ideal gewesen. Holz, Holzarbeiter waren schon da. Doch die 120 vogtländischen Arbeiter und Ihre Familien waren den Einwohnern der kleinen Bergseegemeinde Brienz nicht genehm. Hans Rudolf Hösli, der aktuelle Schulleiter, sagt mit einem bitterbösen schmunzeln: "Die Ansiedlung von ausländischen Spezialisten scheiterte schliesslich aber am Vorstellungsvermögen der Brienzer Bevölkerung." Wurde aus dem Schweizer Musikwinkel wirklich nichts? Naja, ein Musikwinkel ist das Dorf im Berner Oberland nicht wirklich geworden... Doch nicht ganz ohne Stolz erwähnt Hans Rudolf Hösli die insgesamt 180 ausgebildeten Geigenbauer und Geigenbauerinnen, die man heute auf der ganzen Welt findet. Zuletzt zeigt er mit Genugtuung am Beispiel der Bogenwerkstätte AG in Schwanden bei Brienz, die heute in 5. Generation geführt wird, wie auch der Musikinstrumentenbau hätte aufblühen können... wenn nur der Mut und die Weitsicht nicht gefehlt hätten... [caption id="attachment_374" align="aligncenter" width="300"]Poster nach der (Wieder)-Privatisierung der Geigenbauschule ab 1996 Verschiedene Poster nach der (Wieder)-Privatisierung der Geigenbauschule Brienz ab 1996[/caption] Die Vernissage der Ausstellung zur Geschichte der Geigenbauschule Brienz fand im Anschluss an die Kick-Off Veranstaltung für die Bildungsreform des Berufs Geigenbauer EFZ/Geigenbauerin EFZ statt. [caption id="attachment_372" align="aligncenter" width="600"]Die Geigenbauschule Brienz heute - Swiss School of Violin Making Die Geigenbauschule Brienz heute - Swiss School of Violin Making[/caption] Weiterführende Links: Geigenbauschule Brienz: www.geigenbauschule.ch Musikwinkel: https://de.wikipedia.org/wiki/Musikwinkel Ausfühlichen Artikel von Hansruedi Hösli über die Geschichte der Geigenbauschule Brienz:  http://www.geigenbauschule.ch/deutsch/pdf/Streichinstrumentenbau%20in%20Brienz.pdf
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